#Gefahrengebiet – Bilder aus dem Friedrichshain

#Gefahrengebiet – Bilder aus dem Friedrichshain

von rue de guerre

 

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#Gefahrengebiet – „Die eigentlichen Beweggründe des Fotografen“

Dazu bedarf es ein wenig Geschichte vorab.

Der erste Kontakt mit dem Bezirk Friedrichshain fand bereits 1990 statt und war eng verbunden mit den Hausbesetzungen in der Mainzer Straße. Nach zwei Wochen der stillen Besetzung einer Wohnung, welche sich außerhalb der damaligen „Nutzungsverträge“ der bereits umliegenden besetzten Hausprojekte befand, fand ein Umzug in die Scharnweber Straße 38 statt, da dieses Haus massiv von den zu dieser Zeit in der Weitling Straße wohnenden Neonazis bedroht wurde und somit ausreichend Schutzmaßnahmen benötigte.

Nach der Räumung im November fanden verschiedene Kurzumzüge im „Westteil“ der Stadt statt und schließlich der Versuch auf die Orkneyinseln auszuwandern.

Erst im Jahr 2000 erwies sich in der Krossener Straße der Friedrichshain als unerkannter Wunschbezirk. Zu dieser Zeit begann Stück für Stück dieser Bezirk, erst in Ideen noch schön verpackt eine folgenschwere Veränderung zu vollziehen. Es wuchs die größte Kneipenmeile in der Stadt, ein Café, Restaurant, – ob Fast Foodimbiss oder eben kulinarisch nach dem anderen machte sich breit. Friseurläden schossen wie Pilze aus den Böden und hier und dort gab es kleine Kunstgalerien und Ateliers, welche vom Quartiersmanagement gefördert wurden. Zur gleichen Zeit und seit weitaus längerer Zeit gab es aber auch Künstler und eine Lebenskultur, die diesen Interessen nicht folge leisten wollten, da sie sehr schnell die Spekulation hinter vielen neuen Projekten erkannten.

Man wollte kein Touristenkiez werden, welcher aufgrund der neu geschaffenen Infrastruktur aber recht bald zusehends dazu mutierte. Es entstanden mehr und mehr Hostels, Wohnungen wurden zu Ferienwohnungen umstrukturiert und das Kaufinteresse an Immobilien in diesem Bezirk begann zu wachsen. Somit stiegen auch die Mieten.

Diesen Wechsel Tag für Tag mitzuerleben, zu fühlen und beobachten zu können waren der Anstoß dieses Auferstehen aus Ruinen und dem entgegengesetzt damit einhergehenden Zerfall einer Kultur und Wohngemeinschaft in Bildern festzuhalten.

Auf Grünflächen wuchsen Betonkästen, die an Klaviertastaturen erinnern, auf dem ehemaligem Schlachthofgelände stampfte man ein Einkaufzentrum aus dem Boden, man baute das größte Fahrradhaus Europas und nannte die Nebenstraße „Neue Welt“, während man die umliegenden Straßen des ehemals größten Schlachthofs Berlins mit Namen versah, die an das alte Schlachthofgelände erinnern sollten.

Neue Läden verdrängten seit zum Teil Jahrzehnten Bestehende und irgendwann bekam man den Eindruck, das bestimmte Menschengruppen zu Störfaktoren wurden, was mit der durchgeführten und angestrebten Hauptstadtpolitik zu tun hat. Auffällige Personen, oberflächlich und an Äußerlichkeiten festgemacht wurden zu möglichen Linksextremisten gemacht.

2016 wurde der nördliche Teil Friedrichshains zum sogenannten Gefahrengebiet erklärt. Es kam zu willkürlichen Hausdurchsuchen, unrechtmäßigen Räumungen und somit auch zu einer Wut der Anwohner. Dazu gehörten nicht nur die, die man zum Störfaktor machte, sondern auch Jene, die mit ihnen seit Jahren Tür an Tür lebten.

Mit den Bildern dieser Ausstellung soll ein Eindruck vermittelt werden, wobei es sich um dieses sogenannte Gefahrengebiet handelt und wie die Sichtweise eines hier seit nun fast 17 Jahren Lebenden eben dieses wahrnimmt.

 

 

 

Austellungszeitraum: 17/03/2017 – 30/05/2017

Eintritt frei, wir freuen uns auf Spenden!

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