Schmidt Kurt

Kurt Schmidt

“Die Politik soll wieder das werden, was sie sein muss: Die Wissenschaft von der Ordnung des Lebens, der Beziehungen der Menschen untereinander. Das ist das Vermächtnis der sozialistischen Arbeiterjugend. Dafür haben wir gekämpft und gelitten. Ich lege es in Eure Hände; bewahrt es. Schreitet auf diesem Weg fort. Freiheit”

Kurt Schmidt 10.02.1946

Als am 2. Mai 1946, der erste Berliner AWO-Vorstand, gebildet wurde, war Kurt Schmidt mit 33 Jahren, mit Abstand der Jüngste. Dennoch war der Ingenieur bereits hauptamtlicher Sekretär des Jugendausschusses der Berliner SPD und 2. Kreisvorsitzender der SPD in seinem Heimatbezirk Neukölln. Trotz seiner Jugend hatte er bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Es war geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Verhinderung einer Verschmelzung von SPD und KPD. Eine glänzende politische Karriere stand ihm mit seiner zupackenden und mitreißenden Persönlichkeit noch bevor.

Arbeit in der SAJ

1913 geboren, engagierte er sich sehr frühzeitig in der Weimarer Republik bei der SAJ und als Betreuer bei den von Kurt Löwenstein geprägten Kinderfreunden. 1930 wurde er in den Berliner Vorstand der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) gewählt. Dort wirkte er in den letzten Monaten der Weimarer Republik und in den ersten Monaten der Regierung Hitlers dem illegalen 7er Ausschuß der Berliner SAJ. Dieses geheime Gremium, das unter dem Einfluß der Gruppe “Neu Beginnen” stand, traf Vorbereitungen für den Gang der SAJ in die Illegalität, um aus dem Untergrund, den Nationalsozialismus zu bekämpfen.
Damit standen sie in Opposition zur Mutterpartei, der Berliner SPD, die auch Anfang 1933 noch eine Legalitätsstrategie verfolgte, die auf dem Glauben beruhte, daß wenn man streng legal arbeite, die SPD als Organisation auch unter einer nationalsozialistischen Regierung erhalten werden könnte. Im April 1933, trat der Konflikt mit dem Parteivorstand um Franz Künstler offen zu Tage und Kurt Schmidt wurde zusammen mit anderen SAJ-Funktionären wie Erich Schmidt, Theo Thiele, Eberhard Hesse, Kurt Mattick und Fritz Erler aus der SPD ausgeschlossen.

Neu Beginnen

Nach seinem Parteiausschluss arbeitete Kurt Schmidt bei Neu Beginnen weiter. 1935 spaltete sich Neu Beginnen, da der Gründer Walter Löwenheim, den Nationalsozialismus als gefestigt ansah und den Widerstand aus dem Exil fortsetzte. 1935/36 kommt es zu einer großen Verhaftungswelle in der insgesamt 36 Mitglieder von Neu Beginnen verhaftet werden. Kurt Schmidt und Fritz Erler bleiben von dieser Verhaftungswelle verschont und organisieren die Gruppe neu. Sie nehmen Kontakt zum Exilvorstand der SPD in Prag auf und Schmidt trifft sich nach einem illegalen Grenzübergang in die CSR mit Paul Hertz einem Mitglied des Exilvorstandes.
Ziel des Treffens war die Kooperation in Deutschland mit einer Widerstandsgruppe von ehemaligen USPD-Mitgliedern der “Deutschen Volksfront” in die Wege zu leiten. Ergebnis war eine gemeinsame 10 Punkte Erklärung die illegal verbreitet wurde. Dabei mußten die bei Neu Beginnen üblichen Sicherheitsregeln etwas gelockert werden und der Gestapo glückte im Herbst 1938 der entscheidende Schlag gegen den illegalen Kreis. Über zwanzig Mitglieder, darunter auch Kurt Schmidt, werden verhaftet.
Vom Volksgerichtshof wird er zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz vor Kriegsende gelingt ihm am 16.4.1945 auf einem Gefangenentransport die Flucht. Er versteckt sich bis zur Befreiung und beginnt direkt nach Kriegsende die ehemaligen Mitglieder von Neu Beginnen in einer Arbeitsgemeinschaft zu sammeln.

Gegen die Vereinigung von SPD und KPD

Im Juni 1945 tritt Kurt Schmidt wieder in die SPD ein und baut die Abteilung in Britz mit auf. Ab August ist er Mitarbeiter beim Zentralausschuss der SPD im politischen Büro von Gustav Klingelhöfer und ist dort an der Ausarbeitung der Reden von Otto Grotewohl beteiligt.
Nach dem Einschwenken von Grotewohl, auf die von der sowjetischen Militäradministration vorgegebene Linie der Parteienverschmelzung, wird Kurt Schmidt zum geistigen Kopf des Widerstands in der stark von dem Vereinigungsbefürworter Max Fechner geprägten Neuköllner SPD. Im Februrar 46 trifft er sich zum ersten Mal mit Kurt Schumacher und am 17. März, wird er berlinweit bekannt, als er unerwartet auf einer Kreisdelegiertenversammlung der SPD Neukölln eine maßgeblich von ihm verfaßte Resolution gegen die Vereinigung mit der KPD durchsetzt. Eine Woche nach der Urabstimmung, die die Spaltung der SPD in Berlin einläutet , wird er 2. Kreisvorsitzender der SPD Neukölln. Ab Mai wird er hauptamtlicher Sekretär im Jugendausschuß der SPD –Berlin.

Ein zu kurzes Wirken für die AWO

Am 2. Mai 1946 wird Kurt Schmidt als Beisitzer in den ersten AWO-Landesvorstand bestellt. Ein Schreiben Luise Schroeders an die Alliierte Kommandantur, weist ihn neben Luise Schroeder, Franz Neumann, Ida Wolff und Bruno Lösche als einen der 5 Gründer der Berliner AWO aus. Auf der Bezirksdelegiertentagung am 20. April 1947 wird er in seinem Amt bestätigt. Kurt Schmidt stirbt viel zu früh im Juni 1947 im Alter von 34 Jahren an den Folgen einer Blinddarmoperation. “Mit ihm verlor die freiheitliche Arbeiterbewegung eine ihrer größten Hoffnungen.” (Hans-Rainer Sandvoß)

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