Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer

Bereits 1982 hatte man in den evangelischen Kirchen der DDR damit begonnen in den sonntäglichen Gottesdiensten der inhaftierten Wehrdiensttotalverweigerer zu gedenken, so auch in der Galiläakirche. Im Herbst 1985 versuchte der Staat letztmalig alle Totalverweigerer der DDR zu disziplinieren und verhaftete ca. 70 junge Männer, darunter einen Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit in Friedrichshain. Allerdings wurden sie nach sechs Wochen wieder entlassen. Wahrscheinlich, da in Genf Abrüstungsverhandlungen begonnen hatten. Der Warschauer Packt drohte als unglaubwürdig zu erscheinen, wenn er währenddessen Wehrdienstverweiger inhaftierte.

Als Folge dieser Verhaftungen gründete sich 1986 der Freundeskreises Wehrdiensttotalverweigerer. Diese Vereinigung war regional gegliedert und verstand sich als eine Art solidarische Notgemeinschaft, die aber auch die Entmilitarisierung der Gesellschaft forderte. Die Aktivitäten des Freundeskreises, der auch Kontakte zu Totalverweigerern anderer Länder unterhielt, wurden von der Staatsmacht beobachtet und verfolgt. Dennoch entwickelte sich das Netzwerk bis 1989 zu einer Größe von 17 Gruppen und 24 Regionalvertretern.

Auf der Friedenswerkstatt 1988 schufen Wehrdiensttotalverweigerer aus Ost und West in einer Performance das Denkmal „Dem unbekannten Deserteur“, das sich in den Ausstellungsräumen des Jugend[widerstands]museums Galiläakirche befindet. Ab 1988 brachte der Freundeskreis auch eine eigene Zeitschrift heraus, die in Anlehnung an das Berühmte Gedicht Wolfgang Borchards: „Sag Nein!“ hieß.

Literatur:

  • Stefan Eschler, Uwe Koch: Zähne hoch, Kopf zusammenbeissen. Dokumente zur Wehrdienstverweigerung in der DDR. Kükenshagen 1995.

Weitere Infos:

  • http://tiltonline.net/tilt/gruppen/fwtv/fwtv.htm

 

 

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