Frauen für den Frieden – Gemeinsam für Abrüstung

Ende der siebziger Jahre entstanden in der DDR Gruppen, die sich unabhängig von der offiziellen Politik mit Fragen der Friedenssicherung und des Umweltschutzes auseinander setzten. Auch in Friedrichshain arbeiteten solche Friedensinitiativen und Friedensgruppen. Nachdem am 25. März 1982 ein neues Wehrdienstgesetz erlassen wurde, laut dem im Verteidigungsfall auch Frauen eingezogen werden konnten, gründeten Bärbel Bohley, Ulrike Poppe, Irena Kukutz, Bettina Rathenow, Jutta Seidel u. a. eine Gruppe, die sich den 1970 in Irland gegründeten Frauen für den Frieden anschloss und damit Teil der internationalen Friedensbewegung wurde. Einen Protestbrief gegen das neue Wehrdienstgesetz unterschrieben 150 Frauen. Ihre 1984 bis 1987 in der Auferstehungskirche in der Friedrichshainer Friedenstraße veranstalteten Nachtgebete stießen auf das Misstrauen der Sicherheitskräfte. Als vier Frauen am 12. Dezember 1983 inhaftiert wurden, mussten sie aufgrund internationalen Protests wieder freigelassen werden. Die Stationierung sowjetischer Atomwaffen in der CSSR, DDR und Polen, genauso wie die Hochrüstung Belgiens, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und der BRD mit amerikanischen Atomwaffen, brachte diese Frauen dazu, gemeinsam mit Frauengruppen aus anderen europäischen Staaten, einen offenen Brief herauszugeben:

„Für Entspannung von unten! Für Entnuklearisierung Europas!“

Die Frauen für den Frieden waren nicht nur friedenspolitisch tätig, sondern beschäftigten sich auch mit Fragen der Geschlechterrolle in Kirche und Gesellschaft. Das MfS „organisierte“ den Frauen berufliche und persönliche Misserfolge. Weil ihre Gruppe unter dem Dach der Kirche agierte, wurde auch die Kirchenleitung unter Druck gesetzt. Diese teilte daraufhin den Frauen 1984 mit, ihre Aktionen nicht mehr schützen zu können. Die Frauen für den Frieden waren in der zeit der Friedlichen Revolution an zahlreichen Neugründungen, wie z. B. Der des Neue Forums und des Unabhängigen Frauenverbands (UFV) beteiligt und wirkten somit aktiv am Sturz der SED-Herrschaft mit.

Literatur: Antje Finger, Ingeborg Michael: Genau hingesehen, nie geschwiegen, sofort widersprochen, gleich gehandelt – Dokumente aus dem Gewebe der Heuchelei 1982 – 1989, Widerstand autonomer Frauen in Berlin Ost und West, Hg.: Bildungswerk für Demokratie und Umweltschutz, Januar 1990.

Ulrike Poppe: Frauen für den Frieden. In: Hans-Joachim Veen (Hg.): Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur. Propyläen, Berlin – München 2000, S. 135-137.

Weitere Infos: Irena Kukutz „Die grenzüberschreitenden Aktionen der Bewegung Frauen für den Frieden in Ost und West – als Teil einer europäischen Frauenfriedensbewegung in den 80er Jahren“ Dokumentation: http://www.havemann-gesellschaft.de/index.php?id=81

 

 

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