“Herr Keuner sagt Nein”

eine Dauerausstellung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Berliner Osten

Heute, in einer Zeit, in der sich viele ihrer Freiheitsrechte gar nicht mehr richtig bewusst sind, in der Terroristen der NSU mordend durchs Land fahren und die NPD in Parlamenten sitzt, in der sich Antisemitismus wieder frech bemerkbar macht und sich Zuwanderer immer noch mit sozialer Ausgrenzung herumplagen müssen, sind es diese Beispiele, die uns motivieren, die Erinnerung wach zu halten und zur aktiven Auseinandersetzung  mit der Geschichte ebenso wie mit der Gegenwart aufzurufen.

 

 

Inszenierung und Mißtrauen

Als Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, inszenierten seine Anhänger einen pompösen Fackelzug durch Berlin und viele andere Festlichkeiten im gesamten Reichsgebiet. Eine andere Zeit schien angebrochen. Doch weder ganz Deutschland mochte mitfeiern, noch die gesamte Reichshauptstadt. Im Osten Berlins, in den dicht besiedelten Arbeitervierteln, misstraute die Bevölkerung offen dieser merkwürdigen „Arbeiterpartei“ und ihrem selbsternannten Erlöser Deutschlands. Bei den letzten freien Wahlen der Weimarer Republik im November 1932 hatte es die Nazipartei in Friedrichshain hinter KPD und SPD auf gerade 20 Prozent gebracht (Deutschland 33,1 Prozent). Noch bei der schon unter dem entfesselten Terror der SA stattfindenden Wahl vom März 1933 erreichte die NSDAP in Friedrichshain nur den zweiten Platz hinter der Rivalin KPD.

Doch zu diesem Zeitpunkt war mit dem Wahlzettel politisch längst nichts mehr auszurichten. Die Nazigegner im Berliner Osten und anderswo waren in die Illegalität gedrängt und brutalen Verfolgungen ausgesetzt, besonders seit dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933. Viele Gruppen und Einzelpersonen gingen den Weg in die Illegalität im vollen Bewusstsein der damit verbundenen Gefahr. Andere wiederum, z.B. gläubige Christen, viele Juden oder auch unpolitische und konservative Menschen, sahen sich ungewollt in eine Entscheidungssituation gedrängt, die sie nicht gesucht hatten und der sie im Angesicht des Terrorregimes nicht ausweichen konnten.

Widerstand im Ost-Berliner Kiez

Die Ausstellung dokumentiert verschiedene Facetten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, mit einem Schwerpunkt auf Friedrichshain und den Berliner Osten. Das Spektrum reicht vom Widerstand aus der Arbeiterbewegung und der Bekennenden Kirche bis zur jüdischen Gruppe um Herbert Baum und der „Roten Kapelle“, sowie von Pazifisten, Zeugen Jehovas und ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Rütli-Schule. Die Wahl der Mittel des Widerstandes reichte vom Verteilen von Flugblättern bis hin zu Brandanschlägen und zur Spionage für die Sowjetunion. Die Konsequenzen für die wenigen Mutigen, deren Handeln die Ausstellung dokumentiert, waren in den meisten Fällen ähnlich: Folter, lange Haftstrafen und Tod.

 

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„Wartet nicht auf bess`re Zeiten!““Herr Keuner sagt Nein”